Wer kümmert sich um unsere Flüchtlinge in Vorst?

Wir haben in der Redaktion eine Anregung bekommen, die Personen, die sich in Vorst um unsere Flüchtlinge kümmern, hier einmal vorzustellen. Dieser Anregung kommen wir gerne nach und haben Göksu Kocak zuhause in Vorst besucht. Hier stellen wir Euch vor: Göksu Kocak

 

Red.: Hallo Göksu, schön, dass Du zu einem Interview bereit bist. Vielen Dank dafür!

Göksu: (lächelt) Sehr gerne!

Red.: Hast Du einen Spitznamen?

Göksu: (lacht) Ja. Kiki. Und die Jungs in der Halle nennen mich alle so.

Red.: Wie alt bist Du Kiki?

Göksu: 31

Red.: Bist Du verheiratet oder „verpartnert“?

Göksu: In einer Beziehung

Red.: Was machst Du beruflich?

Göksu: Ich bin gelernte Sozialbetreuerin und arbeite im Moment ehrenamtlich bei der Flüchtlingshilfe Tönisvorst

Red.: Hast Du denn noch Zeit für Hobbies? Falls ja, welche?

Göksu: Ich lese wahnsinnig gerne und mache das auch oft abends. Zudem liebe ich Musik und es gibt keine Minute, in der es bei mir zuhause nicht aus irgendeinem Gerät trällert (lacht).

Red.: Was ist Dein Lieblingsessen?

Göksu: (schmunzelnd) Pizza! Und Reisgerichte!

Red.: Gibt es ein Lieblingsbuch oder –Film?

Göksu: Fifty shades of grey

Red.: Du gehörst zu den Leuten in Vorst, die sich um unsere Flüchtlinge in der kleinen Sporthalle kümmern. Was genau sind Deine Aufgaben?

Göksu: Anfangs habe ich Deutschunterricht gegeben. Mittlerweile bin ich „Mann für alles“. Ich rufe bei Bedarf Ämter an, kümmere mich um die Verlängerungen der Aufenthaltstitel oder bin einfach da, wenn jemand reden möchte. Auch kümmere ich mich um die Sachspenden. Wenn einem der Jungs etwas fehlt, versuche ich es über Facebook zu finden.

Red.: Wie bist Du zu dieser Aufgabe gekommen bzw. was hat Dich dazu bewegt?

Göksu: Es liegt in meiner Natur gerne zu helfen. Ich bin seit gut 1,5 Jahren auf der Suche nach einem Job in der Flüchtlingsbetreuung. Leider macht die Tatsache, dass ich alleinerziehend bin, es schwer, etwas zu finden und ich bin nicht mobil. Wenn mir jemand eine Stelle anbietet von 8:30 Uhr bis 14:30 Uhr, nehme ich die sofort (grinst). In dieser Zeit in meine Tochter Milayla im Kindergarten versorgt.

Red.: Gab es schon mal Schwierigkeiten bei der Betreuung unserer Flüchtlinge?

Göksu: (nachdenklich) Natürlich ist es schwierig, als Frau den nötigen Respekt zu bekommen. Viele der Männer kommen aus Ländern, in denen der Mann das Sagen hat.Nur merken sie sehr schnell, dass es hier anders abläuft (grinst wieder). Kleinere Diskussionen gehören dazu, aber Schwierigkeiten gibt es nicht.

Red.: Was war dein traurigster Moment bezüglich der Betreuung?

Göksu: (ernst) Die traurigen Moment sind die, in der die Jungs erzählen, wie ihre Vergangenheit aussah. Aber der wirklich traurigste Moment war, als einer der Bewohner durch einen Anruf erfahren musste, dass sein Vater leider gestorben ist.

Red.: Was war Dein schönster oder lustigster Moment bezüglich der Betreuung?

Göksu: (wieder fröhlicher) Die schönsten Momente sind die, in der die Jungs Dankbarkeit aus vollem Herzen zeigen. Auch wenn sie nach dem Deutschunterricht versuchen mit mir zu sprechen (lächelt). Es ist einfach toll zu sehen, wie sie sich bemühen, die deutsche Sprache zu lernen. Auch unsere Aktivitäten, wie z.B. die Acker-Olympics oder der Ausflug mit der Kolpingsfamilie mit dem Schluff zum Hülser Berg…..das sind schöne Momente! Die Vergangenheit vergessen und ein klein wenig Freude in den Augen sehen.

Red.: In wie weit musst Du Deine persönlichen Emotionen bei der Betreuung einsetzen oder unterdrücken?

Göksu: Ich komme gut mit Emotionen zurecht und habe gelernt, die Probleme und Geschichten der Asylsuchenden nicht zu nah an mich heran zu lassen. Es gelingt nicht jedes Mal, aber ich mach das Beste daraus. Natürlich sitzt man manchmal abends zuhause und denkt viel nach. Aber man ist glücklich, dass man eine warme Wohnung und etwas zu essen hat. Auch danke ich Gott, dass ich niemals so schreckliche Dinge sehen musste, wie es unsere Jungs mussten.

Red.: Was möchtest Du unseren Lesern abschließend noch mit auf den Weg geben?

Göksu: Flüchtlinge sind auch Menschen und von innen sind wir alle gleich! Gebt den Jungs eine Chance! (lächelt wieder)

Red.: Wir danken herzlich für das Interview und Deine Zeit!

(Anmerkung der Redaktion: Kiki ist im Bedarfsfall über Michael Germes (Tel. 80275 oder 01637160867) erreichbar, oder per Mail unter goeksu84@gmail.com)

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